Was ist Thru-Hiking?

August 25, 2018 von
von August 25, 2018

Wie definiert man Thru-Hiking?

Thru-Hiking ist die Königsdisziplin des Wanderns. Die klassische Definition eines Thru-Hikes beinhaltet, einen gigantischen Wanderweg in 12 Monaten von Anfang bis Ende zu laufen. Die Trails, die diese extreme Version des Wandersports prägten, sind vor allem der Appalachian Trail (3,510 Kilometer) und der Pacific Crest Trail (4,184 Kilometer) in Nord-Amerika.

Alternativen zu dieser herausfordernden Herangehensweise sind Section Hiking und Flip-Flop. Wie der Name schon sagt, wählt man beim Section hiking einen oder mehrere Abschnitte eines Trails und beendet sie in einer Saison. Flip Flop bedeutet, die Reihenfolge zu vertauschen und z.B. in der Mitte zu starten.

Auch einen kürzeren Wanderweg komplett zu laufen gilt als zahmere Variante eines Thru-Hikes.

Thru-Hiker auf dem Appalachian Trail. Foto: flickr_mcdowell. Zur Lizenz.

Was sind die bekanntesten Trails?

Der Pacific Crest Trail, der Appalachian Trail und der Continental Divide Trail (ca 5,000 km) werden die „Heilige Dreifaltigkeit“ oder die „dreifache Krone“ des Thru-Hikings genannt. Wer sie alle vervollständigt, kann sich getrost im Olymp der Outdoor-Abenteurer*innen wähnen.

Doch weltweit gibt es weitere, beschilderte Wanderwege, die tausende von Kilometern lang sind. Darunter sind zum Beispiel der Hokkaido Nature Trail in Japan (4,585 km), der Sentiero Italia (6,166 km) und der South West Coast Path in England (1,016 km).

Auch berühmte Wanderwege, wie der West Highland Way oder der Camino de Santiago, können im Stile eines Thru-Hikes gewandert werden.

Der Blick von Pilot Rock auf dem PCT. Foto: flickr_BLMOregon. Zur Lizenz.

Was sind die größten Herausforderungen?

Thru-Hiking führt Wander*innen in extrem abgelegene Gebiete. Das bedeutet nicht nur, die Möglichkeit auf verschiedene Tiere wie Bären, Klapperschlangen und Berglöwen zu treffen, sondern auch tagelang weit weg von menschlicher Infrastruktur zu sein. Obwohl das vielleicht genau der Reiz des Thru-Hikings ist, stellt es auch die größte Herausforderung dar.

Wasser und Essen

Wer sein gesamtes Hab und Gut monatelang auf dem Rücken trägt, kann sich kein überflüssiges Gewicht leisten. Das steht im starken Kontrast zum Bedürfnis nach Wasser und Nahrung, die beide viel wiegen. Wasserfilter und Mahlzeiten aus dehydriertem Essen helfen.

Trotzdem müssen Thru-Hiker Wasserquellen und Vorräte genau planen. Vor allem, auf Wegen wie dem PCT, der tagelang durch die Wüste führt.

Körperliche Herausforderung

Die körperliche Belastung bei einem Thru-Hike ist extrem. Und es heißt, dass nichts die Füße auf eine derartige Belastung vorbereiten kann. Wetter und Landschaftsformen können auf einem Weg stark variieren. In Wild sieht man, wie Cheryl Strayed sowohl in Wüstengebieten, als auch in Schnee und Eis wandert. Das heißt, die Wander- und Camping Ausrüstung muss entsprechend angepasst werden.

Auch Verletzungen müssen in der Planung mit einbezogen werden.

Der Pacific Crest Trail. Foto: BLM Oregon. Zur Lizenz.

Geistige Herausforderung

Es ist nicht untypisch, dass Thru-Hiker*innen alleine wandern. In der Wildnis tagelang auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, ist an sich eine große Herausforderung. Immer wieder an körperliche Grenzen zustoßen, stellt auch die Motivation des erfahrensten Wanderers auf die Probe.

Planung

Ein Thru-Hike, beispielsweise von Mexiko bis Kanada, ist eine Expedition. Deshalb kann die Planung mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Wanderung selbst.

Wer ein derartiges Abenteuer angeht, muss sich genau über die Route informieren, eventuell wetterbedingt Alternativrouten und Transportmittel einplanen und die Ausrüstung zusammenstellen und testen.

Einen Finanzplan zu erstellen, ist ein weiteres Element der Organisation, genau so wie die Bestimmung des Zeitpunkts. Es geht immerhin darum, mehrere Monate bis zu einem Jahr aus dem „normalen“ Leben zu verschwinden.

Was bei der Planung hilft, sind die Stationen auf den Trails. Dort sammeln sich nicht nur alle Thru-Hiker*innen und tauschen Tipps, Nachrichten und Unterstützung, so genannte „Engel“ helfen mit Rat und Tat, waschen Wäsche und stellen warmes Essen und Duschen bereit. Zu diesen Stationen kann man auch im vorhinein Pakete mit Ausrüstung, Nahrung und neuen Schuhen schicken. Essentiell, um Gewicht zu sparen.

Der John Muir Trail, ein Abschnitt des PCT. Foto: flickr_Miguel Vieira. Zur Lizenz.

Inspirierende Bücher

Cheryl Strayeds autobiografischer Roman Wild ist sicherlich das bekannteste Buch über Thru-Hiking. Umrahmt von schonungslosen Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter, eine Kindheit im Schatten von häuslicher Gewalt und einem zerbrochenen Leben, erzählt dieses Buch von der transformativen Kraft des Wanderns und der Wildnis. Dabei lässt Cheryl Strayed keine der immensen Herausforderungen des PCT aus und beschönigt weder ihren Mangel an Erfahrung, Geld oder Planung.

Auch die Verfilmung mit Reese Witherspoon ist sehenswert.

Christine Thürmer ist vielleicht das deutsche Äquivalent von Cheryl. Auch sie lief den PCT, allerdings in seiner gesamten Länge. Danach beendete sie auch Thru-Hikes auf dem Appalachian Trail und dem Continental Divide Trail und hat somit die drei Kronjuwelen des Fernwanderns eingeheimst. Auch sie weigert sich, ihre extremen Erfahrungen in der Natur zu romantisieren und sagt, thru-hiking habe mehr mit „Dreck, Gestank und Leben auf der Erde als Om und Rosenduft“ zu tun.

In ihrem Buch Laufen. Essen. Schlafen. teilt sie die Höhen und Tiefen von 12,700km  in der Wildnis und erklärt, warum sie einfach nicht aufhören kann.