Jakobsmuscheln: Die Bedeutung der Pilgermuschel

Mai 8, 2018 von
von Mai 8, 2018

Am Trekkingrucksack baumelnd ist sie das Symbol für den Jakobsweg: die Pilgermuschel. Doch warum tragen Pilger*innen die Muschel bei sich? Was sind Bedeutung und Ursprung des Wahrzeichens? Sechs Stationen aus der Geschichte der Pilgermuschel geben Antwort.

#1 –  Rettung aus dem Meer

Die Geschichte der Jakobsmuschel als Schutz-Symbol reicht weit zurück. Als der Leichnam des Heiligen Jakobus, Namensgeber des Jakobsweges, an Bord eines Schiffes zurück nach Spanien gebracht wurde, eilte ihm ein Ritter auf seinem Pferd entgegen. Als das Pferd den heiligen Leichnam erblickte, scheute es und warf den Ritter in die Fluten. Er wäre wohl ertrunken, hätte der Heilige Jakobs nicht posthum eingegriffen.

Der Ritter stieg aus dem Meer und war über und über mit Muscheln bedeckt. Die Gebeine des Heiligen Jakobs brachte man nach Santiago. Heute befinden sie sich angeblich in der Kathedrale von Santiago. So wurde Compostela zum Ziel für Pilger*innen. Es entstand der Jakobsweg.

Foto: flickr_José Antonio Gil Martínez. Zur Lizenz.

#2 – Frühe Urkunde

Bis zum 13. Jahrhundert galt die Pilgermuschel als Beweis für die erfolgreich beendete Wallfahrt. Jakobsmuscheln wurden von den Pilgernden in Santiago gekauft und dienten als Vorläufer der Pilgerurkunde. Heute muss man Stempel sammeln und nachweisen, dass man mindestens hundert Kilometer auf dem Jakobsweg gelaufen ist. Dann erhält man die so genannte Compostela: eine Pilgerurkunde aus Papier.

#3 – Nützliches Multi-Tool

Schon im Mittelalter wurde die Jakobsmuschel als Pilgerurkunde abgelöst. Trotzdem blieb sie ein wichtiger Teil der Symbolik des Pilgerwegs und hatte auch praktischen Nutzen. Die große, gewölbte Schale kam als Trinkgefaeß ideal zum Einsatz.

Auch in den Refugios (Pilgerunterkünfte) benutzte man angeblich Jakobsmuscheln zum portionieren der Mahlzeit.

#4 – Erkennungszeichen

An der Pilgermuschel erkennen sich Wander*innen auf dem Jakobsweg bis heute. Seit dem Mittelalter identifiziert die Muschel Pilger und deutet darauf hin, dass diese einen besonderen Schutz genießen. Das war früher insofern wichtig, wie weite Reisen mit erheblichen Gefahren verbunden waren.

Am Ende des Camino de Finisterre. Foto: flickr_Tirso Maldonado. Zur Lizenz.

#5 – Wegweiser

Heute sind sogar die Wegweiser auf dem Camino de Santiago muschelförmig. Eine gelbe Muschel auf blauem Grund zeigt an, dass Sie sich auf dem richtigen Weg befinden. Darüber hinaus, können Sie an der Muschel auch die Richtung ablesen. Das dünne Ende ohne Strahlen zeigt die korrekte Abzweigung an.

Konsultieren Sie aber notfalls lieber eine detaillierte Wanderkarte.

#6 – Bis ans Ende der Welt

Viele Pilger*innen beschließen von Santiago aus noch weitere 60 Kilometer bis nach Finisterre zu laufen. Hier an der Atlantik-Küste wähnte man sich früher am Ende der Welt. Pilger*innen können am Strand selbst nach den Muscheln Ausschau halten.