Fakten über das Wetter in Irland

Februar 16, 2017 von
von Februar 16, 2017

Nichts beschäftigt die Menschen in Irland im täglichen Leben so sehr wie das Wetter. Als Smalltalk Thema Nummer 1 folgt oft nach der Begrüßung sogleich der Wetterbericht. Denn egal ob man sich kennt, das Wetter betrifft und verbindet alle Bewohner der Grünen Insel. Die Wechselhaftigkeit der Wetterverhältnisse trägt nur zu seiner Prominenz bei. Und das, obwohl das maritime Klima die Extreme vermeidet.

Der Golfstrom sorgt dafür, dass die Winter vergleichsweise mild und die Sommer moderat sind. Dennoch bietet das Wetter hinreichend Abwechslung. Die Redensart „four seasons a day“ besagt, dass man bis zu vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag erleben kann.

Das Wetter hat also kulturell betrachtet einen großen Stellenwert. Das spiegelt sich in unzähligen Redewendungen, doch auch in der Geschichte des Landes wider. Es gibt mindestens 11 unterschiedliche Wörter für den Stärkegrad von Regen und ungewöhnliche Wetter-Ereignisse, wie plötzlicher Schneefall, Regenbogenwolken oder Tornados werden schnell zur Legende.

Damien Corless hat in seinem Buch Looks like Rain kuriose Momente zusammengetragen, in denen das Wetter die irische Geschichte beeinflusst hat. Teils durch Ausnahmeerscheinungen wie den „Großen Schnee“, teils durch scheinbar profane Ereignisse wie das Wachstums des Gras und die Auswirkungen auf die Eis-Industrie zeigt er so, wie das Wetter das Leben der Menschen in Irland beeinflusst hat. In dieser Infografik stellen wir Ihnen einige dieser Fakten, Anekdoten und Mythen vor:

Infografik Teil 2

#1 – Die höchste Temperatur, die jemals in Irland gemessen wurde lag be 33 Grad Celsius. Das war im Juni 1887  auf Kilkenny Castle.

Zum Vergleich: die wärmsten Monate sind Juli und August mit Höchsttemperaturen von 25 Grad.

#2 –  „Four seasons a day“ (Vier Jahreszeiten an einem Tag)

Die Wechselhaftigkeit des Wetters in Irland ist auch eine gute Nachricht. Teilt man einen Tag durch vier, so bleibt für jede der Jahreszeiten maximal ein paar Stunden. Auch wenn mit Regen prinzipiell immer zu rechnen ist, dauern die Schauer meist nicht sehr lang an. Wenn möglich also schnell den nächsten Pub aufsuchen und entspannt nach draußen schauen. Die Sonne kommt bestimmt bald wieder hervor.

#3 – Gold am Ende des Regenbogens

Das Nebeneinander von Sonne und Regen führt dazu, dass in Irland oft Regenbögen gesichtet werden können. Der Legende nach befindet sich am Ende des Regenbogens ein Topf mit Gold, den ein listiger Kobold dort versteckt hat. Er hofft, dass niemand ihn erreichen kann: denn nur aus der Ferne ist das Ende des Regenbogens sichtbar.

#4 – Das Wetter ist Gesprächsthema Nummer 1 beim Smalltalk.

Nach dem allgemein gängigen“How are you?“ (Wie geht´s?), das übrigens bedenkenlos mit der Gegenfrage „How are you“/ oder dem enthusiastischen „Not too bad“ (Nicht  zu schlecht) beantwortet werden darf, folgt meistens direkt der Wetterbericht.

#5 – Die beste Reisezeit

Welche Statistik man auch zitiert, eines ist entscheidend: Alle Angaben sind ohne Gewähr*. Das Wetter ist immer für Überraschungen gut und somit eine Herausforderung für Freunde der Planungssicherheit. Das gilt für Touristen genau so wie für Einheimische, wenn sie die Feiertage planen wollen. Der Beruf des Wetteransagers ist deshalb riskant und verantwortungsvoll. Damien Corless zitiert den Wetterfrosch Gerard Fleming: „Lange Wochenenden sind der Alptraum jedes Wetteransagers, denn die Erwartungen sind himmelhoch. Niemand arbeitet gerne an Feiertagen – hoffe nicht auf Gnade, wenn die Ansage nicht stimmt!“

Der irische Wetterdienst veröffentlicht regelmäßige Updates und Statistiken, unter anderem die Durchschnittswerte der letzten dreißig Jahre (1981 bis 2010). Daraus geht hervor, in welchen Monaten die Temperaturen am höchsten waren und wie viel Niederschlag fiel. Aber Achtung: je nach Region kann das sehr unterschiedlich sein.

Oft wird die Zeit von April bis Juni zum Reisen empfohlen, da dies statistisch gesehen die trockensten Monate mit den meisten Sonnenstunden sind. Juli und August jedoch erreichen die höchsten Temperaturen und auch Anfang Oktober kann man herrliche Spätsommer Tage erleben.

Eine gewisse Flexibilität und vor allem gute Regenkleidung sollte man auf einer Irland-Reise also immer dabei haben. Und das Gute an der Unbeständigkeit des Wetters ist, dass auch die Regenschauer oft schnell vorbei ziehen und etwas Sonne fast jeden Tag genossen werden kann.

#6 – Fliegende Fische

Im Jahre 1839 wurde Irland von einem Tornado heimgesucht. Der Wind war so stark, dass verschiedene Zeitungen berichteten, er habe Fische aus dem Wasser geschleudert. Bis zu neun Kilometer von der Westküste entfernt wurden Heringe auf Feldern gefunden.

#7  – Die Grüne Insel

Den Spitznamen und die entsprechende Vegetation verdankt Irland den milden klimatischen Bedingungen. Weitgehend frostfreie Winter und moderate Sommer sorgen für den immergrünen Anstrich. Die Römer sahen das weniger positiv. „Hibernia“, der Name den sie für Irland wählten, heißt übersetzte „Winter-Insel“.

#8 – Ein legendärer Winter: 1982

Schneefall ist selten und aufgrund fehlenden Bodenfrosts bleibt er dann, wenn er kommt, auch nicht lange liegen. Ausnahmen werden so zum Mythos. Im Winter 1982 wurde Dublin vom 8.- 15. Januar von einer weißen Schneeschicht bedeckt. Dieses seltene Phänomen ging als „The Big Snow“ (Der Große Schneefall) in die Geschichte ein.

#9 – Das Wetter beeinflusst die Eiscreme- und Schokoladen Industrie

Damien Corless beschreibt eine ungewöhnliche meteorologische Kettenreaktion: 1949 war es um Dublin herum lange trocken, das Gras blieb kurz und die Kühe gaben wenig Milch. Das führte zu einem Einsturz in der Eiskrem-Produktion in dieser Gegend. 1953 passierte das Gegenteil: Kühe gaben so viel Milch, dass die Arbeiter in Schokoladenfabriken Überstunden machten mussten, um mit dem Verarbeiten der Rohstoffe hinterher zukommen.

#10 – Led Zeppelin verdanken ihr berühmtes Album Cover dem Regen

Für ihr Album „Houses of the Holy“ planten Led Zeppelin im Jahre 1973 ein Foto-Shooting entlang des „Giants’ Causeway“. Es regnete 10 Tage am Stück und der Fotograf entschloss deshalb die beiden Kinder-Models in schwarz-weiß abzulichten. So entstand ein unwirklich-gruseliger Effekt. Das Cover erhielt Kultstatus und wurde für einen Grammy nominiert.

#11 – A day for the ducks

Anders als im Deutschen, wo man von „Hundewetter“ spricht, ist ein verregneter Tag in Irland ein „Day for the ducks“ (Tag für Enten).

#12 – Regenfall: Regionale Unterschiede

Wie viel es regnet, hängt stark davon ab wo genau Sie sind. Im Westen Irlands und in Bergregionen kann der Niederschlag doppelt so hoch (2000 mm) sein wie in anderen Regionen, wo er bei unter 1000 mm Jahresdurchschnitt liegt.

Vom Wetter gelernt

Wie all diese Anekdoten und Fakten belegen, ist die Beziehung zwischen Mensch und Wetter eine besondere in Irland. Obwohl sich gerne beschwert wird, so ist sie doch intensiv und liebevoll. Vom Wetter kann man schließlich auch einiges lernen: die schönen (sonnigen) Stunden zu würdigen und im Moment zu leben. Den Zauber des Regens entdecken und den Balance-Akt zwischen Planen und treiben lassen hinkriegen: die Regenjacke einpacken und dann gelassen die Dinge auf sich zukommen lassen.