Die Geschichte des Wicklow Way

Dezember 22, 2017 von
von Dezember 22, 2017

County Wicklow gilt als der Garten Irlands. Es ist nicht ganz klar, ob das an den vielen Parks um die hochherrschaftlichen Häuser oder der unberührten Natur liegt. Sicher ist jedoch, dass die wilde Landschaft in der Vergangenheit die Geschichte ihrer rebellischen Bewohner*innen beeinflusst und reflektiert hat.

In einem vorigen Blogpost haben wir Ihnen die Highlights auf dem Wicklow Way vorgestellt, der Sie ins Herz dieser ursprünglichen und bildhübschen Gegend bringt.

Lesen Sie hier, wie die Geschichte des Wicklow Way einen Einblick in die bewegte irische Geschichte bietet.

Der Wicklow Way. Photo: flickr_Rob Hurson

16. Jahrhundert – Vernichtung des O’Byrne Clans

Noch im 16. Jahrhundert, als sich der Großteil der irischen Insel schon unter britischer Herrschaft befand, wurde das Gebiet um die Wicklow Mountains noch vom Clan der O’Byrnes regiert. Das ist insofern erstaunlich, wie sich Wicklow ganz in der Nähe von Dublin, und somit direkt ‚vor der Nase‘ der zweiten Hauptstadt des Empire befanden.

Die O’Byrnes widersetzten sich zahlreichen Eroberungsversuchen der britischen Krone, was der Gegend den Namen Ireland’s last county (die letzte Grafschaft) einbrachte.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts jedoch gelang es der englischen Armee die Kontrolle an sich zu reißen, nachdem sie den Hauptsitz des Clans in Rathdrum angriff. Der O’Byrne Clan verlor all sein Land. Durch Queen Elizabeth wurde das Gebiet an Harry Henrington, einem englischen Abenteurer und Investor, übergeben.

1630 wurde Thomas Wentworth zum stellvertretenden Herrscher ernannt und das Land der O’Byrnes an ihn übertragen.

Als Oliver Cromwell 1634 die Königin stürzte, beanspruchte er alle Ländereien der Krone. Doch nachdem Charles der Zweite die Monarchie wieder aufbaute, wurde auch das Land in Wicklow wieder an Wentworth übergeben.

Mittlerweile nannte man das ehemalige Territorium der O’Byrnes Coolattin Estate. Es umfasste 85,000 Morgen, was einem Fünftel der gesamten Fläche von County Wicklow entspricht. Mehr als 20,000 Menschen lebten damals auf diesem Land.

Avondale Park. Photo credit: wikimedia_Dr Charles Nelson

17. Jahrhundert – Die Zeit der Großgrundbesitzer beginnt

Das Land um Coolattin Estate und die restliche Fläche von County Wicklow wurde nun an englische Großgrundbesitzer verteilt. Noch heute heißen Vermieter im englischen Sprachraum ‚landlords‘ und die britischen Verpächter waren wortwörtlich die Herren des Landes.

Unter ihrem Einfluss entstand das Landschaftsbild, das noch heute die ländlichen Gegenden in Wicklow prägt. Durch die harte Arbeit einer Generation von landlosen Bauern wurde eine wilde Naturlandschaft, durch die keine Straße führte, in Felder und Parks verwandelt.

Während die Großgrundbesitzer prächtige Herrenhäuser errichten ließen, lebte ein Großteil der irische Bevölkerung in bitterer Armut. Aufzeichnungen ergeben, dass ein Viertel der Familien in Hütten aus Lehm oder Stein mit nur einem Zimmer wohnten. Sie mussten an die britischen Besetzer diverse Steuern errichten, darunter zum Beispiel eine für die Benutzung von Kaminen. Viele Ir*innen entzündeten so schlichtweg ein Feuer in der Mitte ihrer Behausung und ließen den Rauch durch das Reetdach oder die Fenster entweichen.

Die prächtigen Anwesen der Landlords mit ihren unzähligen Zimmern und weitläufigen Parks sind bis heute erhalten und stehen Besucher*innen offen.

18. Jahrhundert – Die Rebellion von 1798

Im Jahre 1786 wurde der letzte Wolf in den Wicklow Mountains gesehen. Knapp zwanzig Jahre später musste sich auch einer der letzten irischen Rebellen von 1798 in Wicklow ergeben.

Inspiriert durch die französische und us-amerikanische Revolution fand sich ein Bündnis aus verschiedenen irischen Aufständischen, die es sich zum Ziel machten die britische Fremdherrschaft zu beenden. Die Hauptorganisatoren waren die Mitglieder der republikanische Organisation United Irishmen. Einige ihrer Befehlshaber gehörten zur anglo-irischen Elite. Sie hofften auf Unterstützung aus Frankreich. Dem Revolutionär Wolf Tone gelang es zehn Schiffe der französischen Armee und insgesamt 14,000 französische Veteranen zu Hilfe zu holen. Doch wie so oft beeinflusste das Wetter den Lauf der irischen Geschichte.

Aufgrund von Stürmen und mangelnder Entschlusskraft wurden die meisten Schiffe noch vor Ankunft an der Küste gekapert. Die Rebellion war erfolglos und Michael Dwyer, einer der letzten Rebellen, der in den unzugänglichen Bergen ausgeharrt hatte, musste sich schließlich im Jahre 1808 ergeben.

Karrikatur von James Gillray – Das Debakel der französischen Armada. Library of Congress

19. Jahrhundert – Hungersnot und Irish Land League

Das 19. Jahrhundert sah die tragischste Episode der irischen Geschichte: die große Hungersnot. Die Kartoffelfäule vernichtete drei Jahre in Folge die Ernte, was einen Großteil der Bevölkerung die Grundlage ihrer Ernährung kostete. Millionen Menschen wanderten aus oder starben.

Viele landlose Bauern konnten die Pacht nicht mehr zahlen und wurden von den Großgrundbesitzern aus ihren Häusern vertrieben. Um ihre Rechte zu stärken gründete Michael Davitt 1879 die Irish Land League. Ihr Hauptziel war es, dass System des Großgrundbesitzes abzuschaffen und Bauern zu ermöglichen, das Land zu besitzen, das sie bearbeiteten.

Davitt wurde bald von Charles Stewart Parnell unterstützt. Obwohl aus wohlhabenden Kreisen stammend setzte sich dieser als Anführer der Home Rule Party für die Unabhängigkeit Irlands und die Rechte von besitzlosen Bauern ein.

Avondale Park, das Geburtshaus von Parnell, zählt zu den vielen imposanten Anwesen in Wicklow und kann von April bis Oktober besichtigt werden.

Die Arbeit der Irish Land League führte oft zu brutalen Ausschreitungen und ging unter dem Namen The Land War in die Geschichte ein. In Kombination mit der Irischen Rebellion von 1916 wurde das Land letztendlich von den Großgrundbesitzern an die Pächter umverteilt.

Charles Stewart Parnell

20. Jahrhundert – die Geburt des Wicklow Way

Viele dieser Schauplätze der irischen Geschichte können Sie auf dem Wicklow Way entdecken.

Der Wicklow Way war außerdem auch der erste offizielle Wanderweg in Irland. Er wurde erst im Jahre 1981 eingeweiht.

Der begeisterte Wanderer J.B. Malone hatte Jahre für seine Errichtung gekämpft. Dafür musste er unter anderem auch mit Bauern über Zugangsrechte verhandeln. Durch TV Programme hatte er den Zuschauer*innen die Schönheit der Natur in Irland näher gebracht und so wandern als Freizeitsport beliebt gemacht.

An seinem Lieblingsplatz auf dem Wicklow Way steht heute ein Gedenkstein.

Gedenkstein an J.B. Malone. Photo: wikimedia_Joe King


Sie möchten in die irische Geschichte eintauchen? Hillwalk Tours organisiert Ihre selbstgeführte Wanderung auf dem Wicklow Way!