Irische Geschichte: Spuren auf dem Beara Way

Januar 14, 2018 von
von Januar 14, 2018

Die majestätischen und vielfältigen Landschaften entlang des Beara Way verschlagen den Besuchern den Atem. Doch die Abschnitte des Fernwanderwegs bieten auch einen einzigartigen Einblick in Episoden der irischen Geschichte.

Wer sich auskennt, kann auf historischer Spurensuche den Geheimnissen der wunderschönen irischen Landschaft entlang der Beara Hablinsel auf die Schliche kommen. Wir stellen einige Landmarken und die dazugehörige Geschichte vor.

Der Steinkreis von Drombohilly 

Historiker schätzen, dass die Steinkreise in Irland zwischen 3000 und 1500 v.Chr. errichtet wurden. Damit gehören sie zu den ältesten Monumenten, die heute auf der Grünen Insel von uralten Zivilisationen zeugen.

Es wird davon ausgegangen, dass die Steinkreise zeremoniellen und religiösen Zwecken dienten. Oft markiert der zentrale Stein den Standpunkt der auf- oder untergehenden Sonne zur Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende.

Auf dem Beara Way in der Nähe von Kenmare findet sich der gut erhaltene Steinkreis von Drombohilly.

Der Name des Beara Way

Der Legende nach wurde die Beara Halbinsel nach einer Frau benannt. Beara war der Name der Frau von Stammesführer Eoin Mór (Eoin dem Großen). Vor der Kolonisierung durch die Engländer war die irische Bevölkerung in Clans organisiert.

1602: Die Flucht des O’Sullivan Beara Clans

Am Neujahrstag im Jahre 1602 begann einer der tragischsten und bekanntesten Märsche der irischen Geschichte. Donal Cam O’Sullivan Beara hatte die englischen Truppen jahrelang bekämpft. Nach der Schlacht von Kinsale 1601 musste er die Verteidigung der Küste aufgeben. Nachdem die Belagerung von Dunboy Castle, einem wichtigen Stützpunkt, ihn und sein Gefolge mit dem Hungertod bedrohte, beschloss er nach Norden zu fliehen und sich dort Verbündeten anzuschließen.

Zusammen mit ihm flohen vierhundert Soldaten und sechshundert seiner Zugehörigen, darunter Frauen und Kinder. Unerbittlich verfolgten die englischen Soldaten sie auf der Flucht auf der 400 Kilometer langen Strecke.

Der raue Winter, Lebensmittelknappheit und Überfälle durch Engländer und andere Clans sorgten dafür, dass nur 35 der insgesamt tausend Personen in Leitrim ankamen.

Der Beara Breifne Way erinnert heute an diesen Marsch, der in Glengarrif begann. Der gesamte Beara Way zählt als erste Etappe auf dem Fernwanderweg auf den historischen Spuren des O’Sullivan Clans.

Der Beara Way. Photo: geograph.org, Nigel Cox

Bere Island wird Militär-Basis

Mit der Etablierung der englischen Herrschaft im Süd-Westen Irlands, wurden auch militärische Anlagen errichtet. An strategisch wichtigen Punkten errichten die Engländer die Basis ihrer Infrastruktur, darunter Wachttürme, Forts und Häfen.

Schon während der Belagerung von Dunboy Castle war die bezaubernde Bere Island als Marine Stützpunkt genutzt.

1796: Wolf Tone landet nicht in Bantry Bay

Im Kampf gegen die Engländer suchten irische Anführer wie Wolf Tone nach Unterstützung im Ausland. Es gelang ihm tatsächlich 44 Schiffe der französischen Marine zu mobilisieren. In Frankreich hoffte man, England so zu schwächen und wichtige Kriegs-Resourcen vom Kontinent fernzuhalten.

Doch wie so oft griff das Wetter in die Geschichte Irlands ein. Die schlimmsten Stürme des 18. Jahrhunderts verhinderten, dass die Flotte in Bantry Bay landen konnte. So tragisch das für den irischen Widerstand war, so günstig war diese meteorologische Fügung für die unvorbereiteten Engländer.

1812: die Kupfermine von Allihies

1812 wurde in der Nähe des irischen Dörfchens Allihies eine Kupfermine entdeckt. Das führte zu einem regelrechten Kupfer-Boom.

Die Familie Puxley hatte zuvor die Landrechte des O’Sullivan Clans erhalten und machte sich nun daran, eine Kupfermine aufzubauen. So gelangte die industrielle Revolution schließlich auch in eine der ländlichsten und abgelegensten Gegenden Irlands.

Die Mine beschäftigte zwischenzeitlich mehr als 1500 Mitarbeiter. Ein Museum, untergebracht in der ehemaligen Kirche der Bergbauarbeiter, erinnert heute an ihr Leben.

 1845-1852: Die Große Hungersnot und eine leere Insel

Die Große Hungersnot gilt als eines der traurigsten Kapitel der irischen Geschichte. Die Kartoffelfäule vernichtete drei Jahre in Folge die Ernten. Durch eine Mischung verschiedener politischer Faktoren zusammen mit der starken Abhängigkeit von der Kartoffelpflanze führte das dazu, dass eine Millionen Menschen starben und eine weitere Million auswanderte.

So wurden gesamte Landschaftsstriche entvölkert. Bere Island ist so ein Beispiel. Heute leben nur noch 210 Menschen auf der 11x 5 Kilometer großen Insel. Das Bere Island Heritage Centre hat die Geschichte und Traditionen der Insel festgehalten und steht Besuchern täglich von 9 – 17 Uhr offen.

Heute: Tourismus und Film-Vorlage

Immer wieder haben kriegerische Auseinandersetzungen das Leben auf der Beara Halbinsel bestimmt. 2003 wurden fünf Nachfahren der Sullivans durch das US-Militär geehrt. Ein Schiff der Marine besuchte Bantry Bay, um an den Tod der Sullivans auf einem U-Boot während des Zweiten Weltkriegs hinzuweisen.

Die Geschichte dieser berühmten Familie hat sogar den Film Der Soldat James Ryan inspiriert.

Heutzutage lebt es sich friedlich inmitten der atemberaubenden Landschaften entlang des Beara Way. Die Wirtschaft beruht hauptsächlich auf Agrikultur, Fischfang und Tourismus, sogar ein Meditationszentrum gibt es hier.

Doch wer die Zeichen lesen kann, der findet bis heute Spuren der bewegten Vergangenheit der Beara Halbinsel.


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