Wandern auf dem Kerry Way: unsere Erfahrungen und Tipps 2019 (Teil 1)

Juli 18, 2019 von
von Juli 18, 2019

Unsere Wanderung auf dem Kerry Way im Juli 2019 führte meinen Partner und mich in wunderschöne Natur und dramatische Landschaften.

Trotz seiner großer Beliebtheit ist der Kerry Way nicht überlaufen. Zu Fuß gelangten wir in abgeschiedene Täler, lauschige Wälder und zu Pässen, die kein Auto überqueren kann. Oft trafen wir dabei stundenlang keine Menschenseele. Der Anblick der wilden, grünen Landschaft machte jeden Schritt auch auf langen und steilen Abschnitten zu einem Genuss.

Hier teilen wir unsere Erfahrungen und Tipps für eine Wanderung auf dem Kerry Way. Der erste Teil beinhaltet die Abschnitte von Killarney über Black Valley und Glencar bis nach Glenbeigh. Viel Spaß beim Lesen.

Steckbrief Kerry Way

Gesamtlänge: 214km

Dauer: Für den gesamten Kerry Way sollten Sie mindestens 10 Tage einplanen. Mit Hillwalk Tours können Sie aber auch Touren von 5 bis 11 Tagen auf dem Kerry Way buchen.

Lage und Verlauf: Der Kerry Way liegt im Westen Irlands. Der Rundweg verläuft entlang der Iveragh Halbinsel im County Kerry. Start- und Endpunkt ist das Städtchen Killarney, das Tor zum gleichnamigen National Park. Der Kerry Way bringt Sie direkt zum Fuße der McGillycuddy Reeks, Irlands höchster Bergkette, säumt die Küste und führt in abgelegene Täler.

Höhenmeter: Der Gesamtanstieg des Kerry Way beträgt 5,400 Meter.

Schwierigkeitsgrad: Der Kerry Way gilt als moderater bis anspruchsvoller Wanderweg. Er  ist nicht nur der längste Fernwanderweg Irlands, er führt auch über einige steile Anstiege in bergigem Gelände. Es gibt aber die Möglichkeit, kürzere Streckenabschnitte zu wählen und nur einen Teil des Weges zu laufen.

Infrastruktur: Die touristische Infrastruktur um Killarney ist sehr gut ausgebaut. Doch Sie kommen in Gegenden, wo es kaum Läden oder Busse gibt. Informieren Sie sich daher gut über die jeweilige Strecke und nehmen Sie Proviant mit. Viele B&Bs bereiten auf Wunsch auch Abendmahlzeiten zu. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es an jedem Tagesziel.

Unsere Wanderung auf dem Kerry Way

Ankunft in Killarney

Am Vorabend unserer Wanderung ist das Wetter in Killarney überraschend sonnig. Zum Training laufen wir zu Ross Castle.  Hinter der gut erhaltenen Burg aus dem 15. Jahrhundert ragen die Berge. Die Sonne sinkt langsam in Richtung der Wasser von Lough Leane und taucht die Mauern der Burg in goldenes Licht.

Bei einem nächtlichen Spaziergang durch Killarney beobachten wir das bunte Treiben in den Bars und verspeisen genüsslich eine große Portion Pommes. Kohlenhydrate sind doch so gut vor einer Wanderung.

Tag 1: Von Killarney zum Black Valley

Länge: 19 Kilometer

Von unserem B&B aus laufen wir zur Ladstraße N71 und finden dort die erste Wegmarkierung des Kerry Way, der schließlich in ein Waldstück einbiegt. Hier verläuft der Weg unter den Kronen hübscher großer Bäume entlang des Seeufers und gibt immer wieder den Blick auf die Wassermassen frei.

Auch architektonisch gibt es hier viel Sehenswertes. Der Weg bringt uns direkt zu dem schmucken Anwesen Muckross House and Gardens. Viele Tourist*innen tummeln sich hier, bestaunen die Gärten oder gehen ins Cafe. Hufgetrappel kündigt an, das sich eine weiter Kutsche nähert, die Besucher*innen zu den Highlights der Region bringt. Mit Blick auf die Uhr beschließen wir die Ruinen von Muckross Abbey dieses Mal nicht zu besichtigen.


*Tipp: Nehmen Sie sich einen Extra-Tag Zeit, um die vielen Highlights in Killarney zu besichtigen. Gerade, wenn Sie zum ersten Mal hier sind und sich für Geschichte interessieren, lohnt es sich Muckross Abbey/House and Gardens, Killarney selbst und Ross Castle in Ruhe zu besichtigen.


Stattdessen folgen wir dem Weg hoch zu Torc Waterfall, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeit in Killarney. Scharen von spanischen Teenagern erklimmen mit uns die Stufen hoch zu dem imposanten Wasserfall, schnattern lauf und machen Selfies.

Oberhalb des Aussichtspunkts wird es sehr viel ruhiger und einsamer. Der Weg gabelt sich und wir laufen auf ein zauberhaftes Plateau zu. Um uns ragen Berge wie Torc Mountain auf. Goldene Gräser wiegen sich auf dem Moor im Wind. Unsere erste längere Pause genießen wir mit Blick zurück auf einem kleinen Hügel. Die zweite Pause verbringen wir lesend in einem Eichenwald, nachdem wir eine kleine Kirche bei Gallways Bridge hinter uns gelassen und die Landstraße ein weiteres Mal überquert haben. Moosbewachsene Steine schmücken den stillen Wald.

Im Tal laufen wir auf Lord Brendan’s Cottage zu. Das moderne Cottage dient als „Haltestelle“ für Tourist*innen, die sich per Boot zu diesem abgelegenen Ort bringen lassen können. Wir bewundern die alten Ruinen, die Lord Brendan wohl mal bewohnt hat. Mit Pflanzen überwuchert haben sie etwas Romantisches.

Am See vorbei sehen wir eine Mutter mit ihrem Sohn auf einem Handtuch sitzen. Vielleicht leben sie in diesem einsamen Tal und gehen hier regelmäßig schwimmen. Bei der Überquerung des Moores fallen ein paar Wassertropfen. Am Fluss finden wir unter den Zweigen einer Weide Schutz und tauchen unsere qualmenden Füße ins kühle Nass.

Endlich kommen wir im Black Valley, dem Schwarzen Tal, an. In unserer Unterkunft treffen wir ein paar andere Tourist*innen. Zwei junge Franzosen waren mit dem Rad von Killarney hier her gefahren und sind sichtlich davon beeindruckt, dass wir die Strecke zu Fuß zurück gelegt haben. Eine herzliche Kanadierin erzählt, wie sie es liebt die Gap of Dunloe (einen engen Bergpass) im Auto hoch zusausen und ein paar Reisende aus London wollen am nähsten Tag zum Trailrunning aufbrechen.

Wir verspeisen unser wohlverdientes Abendbrot und genießen eine heiße Dusche. Nachdem wir den Wetterbericht ausführlich studiert haben, beschließen wir die Regenschauern am Morgen abzuwarten und erst gegen 12 Uhr nach Glencar aufzubrechen.


*Tipp: in Black Valley gibt es keine Läden, Pubs oder Restaurants. In B&Bs können Sie eine Abendmahlzeit vorbestellen. Das Black Valley Hostel verkauft eine kleine Auswahl an Lebensmittel und hat eine Gemeinschaftsküche.


Tag 2: Von Black Valley nach Glencar

Länge: 22 Kilometer (es gibt unterschiedliche Optionen auf dem letzten Abschnitt nach Glencar. Die andere ist länger.)

Der Wetterbericht hatte nicht gelogen. Weiße, tief hängende Wolken verhüllen die Landschaft und es nieselt noch, als wir uns auf den Weg machen. Wir kommen durch ein kleines Stück Forst in ein Tal, in dem nur noch wenige Häuser die Flanken der Berge zieren. Steile Felsklippen schauen gegenüber von uns aus den Wolken hervor. Das müssten Caher und Carrauntoohil sein. Nur, ohne die Gipfel zu sehen ist es schwer zu sagen, ob wir uns jetzt im Schatten der höchsten Berge Irlands befinden oder nicht.

Ein gelb gestrichenes Farmhaus leuchtet uns entgegen. Davor ragt ein riesiger Hinkelstein aus dem Boden. Wir folgen dem Weg hoch zum ersten, steilen Bergpass. Von weit her kann man den Steinkreis sehen, der diesen markiert. Das Gelände ist uneben und steil. Keine Straße führt über diesen Pass. Wir kommen an einem Bergsattel an, der uns schließlich ins Bridia Valley bringt. Felsen ragen am Wegesrand auf und scheinen ein Tor zu bilden, hinter dem die Landschaft einen weiten Flickenteppich bildet. Die Aussicht ist wunderschön.

Langsam knurren unsere Mägen und wir freuen uns darauf, dem Cookie Monsters Cafe einen Besuch abzustatten. Dieses befindet sich genau zwischen den beiden Bergpässen der heutigen Route und seine Lage am Ende der Sackgasse des Bridia Valleys machen es kilometerweit zur einzigen Möglichkeit einzukehren. Leider gibt es um 16.30 Uhr, eine halbe Stunde vor der angeküdigten Nachmittagsruhe, kein Essen mehr. Und leider kommuniziert der Betreiber des Cookie Monsters das nicht gerade charmant.


*Tipp: Wenn Sie auf Ihrer Wanderung im Cookie Monster Cafe Halt machen wollen, seien Sie auf jeden Fall eine Stunde vor dem Ende der Öffnungszeit da. Andernfalls brauchen Sie auf diesem Abschnitt unbedingt ausreichend Proviant.


Wir stapfen den nächsten Hügel hoch und essen Obst und Nüsse. Schwer zu sagen, welcher der beiden Bergpässe schöner ist. Wieder breitet sich nach etwas Anstrengung die Landschaft vor uns aus und offenbart die Aussicht auf einen tieflblauen See, den wir bald umrunden werden.

Tiefer im Tal gabelt sich der Kerry Way und aufgrund der fortgerückten Stunde, beschließen wir uns links zu halten und die kürzere Route abseits der Landtraße zu nehmen. Der Weg beschreibt einen leicht verwirrenden Zickzack-Kurs, bringt uns aber letztlich in ein von Midges summendes Waldstück. Dort finden wir eine ganze Reihe verlassener Steinhäuser und wüssten gerne, wie das Leben sich hier früher einst gestaltete.


*Tipp: Bringen Sie auf jeden Fall Insektenschutzmittel mit. Der starke Geruch schützt nicht nur vor Mücken, manche Insektensprays helfen auch gegen Zecken. Im County Kerry gibt es  Zecken, die unter Umständen Borreliose übertragen können. Checken Sie also nach jeder Wanderung, ob Sie eine Zecke haben und entfernen Sie sie schnellstmöglich.


Über Wiesen, Weiden und ein Stück Landstraße kommen wir in Glencar, am Climber’s Inn an. Glencar ist nicht viel mehr als eine Straßenkreuzung mit einem Haus. Hier hat sich heute, wie es scheint, jedoch ein Großteil der Bevölkerung West Kerrys zusammen gefunden. Im an den Pub angrenzenden Laden erstehen wir wieder die nötigsten Lebensmittel und hören, dass just an diesem Tag die jährliche „Cattle show and Carnival“ (Vieh Schau und Karneval) stattgefunden hat. Es gab einen Kostüm Wettbewerb für Kinder, die Auswahl preisgekrönter Schafe und heute Abend jede Menge Bands und Pints.

Es steppt der Bär. Wir gesellen uns auf ein Feierabendbier dazu, beschließen dann jedoch dieser „authentischen“ Veranstaltung fern zu bleiben und vor der nächsten Etappe genug Schlaf zu kriegen. Ohrenstöpsel sollte man immer im Gepäck haben.


*Tipp: Ein Kaltgetränk im Climber’s Inn ist allemal ein schöne Belohnung nach einem langen Wandertag. Auch, wenn gerade nicht „Cattle Show and Carnival“ ist.


Tag 3: Von Glencar nach Glenbeigh

Länge: 13 Kilometer

Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, sitzen immer noch Menschen an der Bar. Auf dem Land gibt es scheinbar keine Sperrstunde.

Der Kerry Way führt uns über Wiesen und Steigleitern zunächst in das stille Caragh Flusstal. Danach durchqueren wir den magischen Lickeen Eichenwald. Felsen ragen hoch über uns auf, als wir die Steinstufen im schummrigen Licht hinauf und hinab steigen.

Heute wandern wir einige Kilometer auf Landstraßen. Der Verkehr hält sich aber in Grenzen.


*Tipp: Einige irische Fernwanderwege verlaufen streckenweise auf Asphalt. Um Blasen zu verhindern ist es meiner Erfahrung nach essentiell, diese Abschnitte nicht in schweren Wanderstiefeln mit unbiegsamen Sohlen zu laufen. Nehmen Sie am besten ein paar leichte Turnschuhe mit und wechseln Sie sie je nach Bedarf.


Unsere erste Pause genießen wir heute auf einer Mauer am Straßenrand, von wo aus wir neben uns die Schafe leise schmatzen hören. Hier sehen wir die majestätische McGillycuddy Reeks aufragen und erblicken ein Mal sogar kurz die Spitze von Carrauntoohil. Am Ende unserer Brotzeit treffen wir seit Tagen auf die ersten anderen Wander*innen.

Am Ende des Hangs gabelt sich der Kerry Way und wir beschließen wieder den kürzeren Abschnitt über Windy Gap (die windige Lücke) nach Glenbeigh zu nehmen. Hierbei handelt es sich um einen weiteren, engen Bergpass. Am Pass angekommen, stellen wir fest, dass der Hügel neben uns gar nicht mal so hoch aussieht. Das GPS Gerät bestätigt es und so lassen wir unsere Rucksäcke kurzerhand am Weg zurück und ergänzen den klassischen Kerry Way um eine kleine Gipfelbesteigung. Von hier aus sehen wir seit Beginn unserer Wanderung zum ersten Mal das Meer. Doch darüber hinaus können wir ungefähr ausmachen, wo der Kerry Way in den nächsten Tagen verlaufen wird: entlang der Küste.

Der Abstieg hinunter nach Glenbeigh ist lieblich. Wir treffen einen Bauern in einem uralten, blauen Traktor und wechseln ein paar Worte über das Wetter. Blühende Hecken zieren den Wegesrand.

Am Eingang von Glenbeigh steht eine weitere bemerkenswerte Ruine: Wynne’s Folly. Dabei handelt es sich um ein gar nicht sehr antikes Bauwerk, das an eine Burg erinnern sollte. Was ihm an Jahren fehlt, macht seine Geschichte an Düsternis wett. In 1867 beschloss der Großgrundbesitzer Lord Headley Wynne das Gebäude errichten zu lassen und es durch Mieterhöhungen zu finanzieren. Als die Pächter diesen Zahlungen nicht nachkommen konnten, wurden sie brutal vertrieben, das törichte Anwesen nie vollendet. Heute grasen Pferde in seinen Mauern.

Glenbeigh ist im Gegensatz zu Glencar und Black Valley ein richtiges kleines Örtchen. Hier gibt es verschiedene Lokale, darunter eine Pommesbude, eine Bushaltestelle, ein Hotel und die wahrscheinlich beste Pizzeria auf dem ganzen Kerry Way.


*Tipp: Lassen Sie sich in Glenbeigh von Emilie verwöhnen. Die Steinofen Pizza hier besticht nicht nur durch kreative Geschmacks-Kombinationen was den Belag angeht, sie ist außerdem aus Sauerteig, der nicht schwer im Magen liegt.


Bei Emilie’s lassen wir uns köstliche Pizza aus dem Steinofen schmecken. Emilie macht uns sogar auf Wunsch frisches Knoblauch Öl und die Kellnerin erzählt, dass sie erst vor zwei Wochen eröffnet haben. Später kommt noch ein Mann vorbei und installiert Lampen. Es scheint gut zu laufen.

Aufgrund der kürzeren Strecke haben wir heute noch Stunden an Tageslicht über und folgen der Landstraße und den Wegweisern zu Ros Beigh Beach. Möglicherweise sahen wir diesen kilometerlangen Sandstrand von Windy Gap aus und können es kaum erwarten, Sand unter den Füßen zu spüren.

Die Sonne scheint und vom Strand aus können wir die langen Bergrücken der Dingle Halbinsel betrachten. Dingle und Iveragh ragen parallel ins Meer hinein und so kann man von beiden Landzungen aus immer wieder Blicke auf Meer und Berge genießen. Wir gehen eine Runde schwimmen und vom Wasser aus ist die Aussicht sogar noch schöner. Trotz der kalten Wassertemperatur fällt es uns schwer, die Wellen wieder zu verlassen.


*Tipp: Für einen unvergleichlichen Strandspaziergang besuchen Sie Ros Beigh Beach. Zwischen Glenbeigh und Cahersiveen gelegen, ist dies der perfekte Ort um die Füße zu kühlen und die Seele baumeln zu lassen.


Paraglider schweben über den bewaldeten Hügeln und wir laufen zurück nach Glenbeigh. Wir freuen uns auf die Erlebnisse, die am nächsten Tag auf uns warten.

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