Der Beara Way: Wandern in West-Cork [Erfahrungsbericht, Teil 2] 2019

Mai 23, 2019 von
von Mai 23, 2019

Nachdem mein Partner und ich im letzten Sommer die ersten Etappen des Beara Way gewandert sind, beschlossen wir diesen Frühling den Wanderweg zu beenden. Ausschlag gebend waren wieder ein langes Wochenende und, noch wichtiger, ein viel versprechender Wetterbericht.

Ankunft in Allihies

Empfehlungen in Allihies

Übernachtung: Sea View B&B

Trinken: Die Lighthouse Bar

Einkaufsmöglichkeit: Angrenzend an das Sea View B&B gibt es einen kleinen, gut sortierten Supermarkt.

Taxi Fahrt mit Nachrichten und Geschichten aus Beara

Wir lassen das Auto in Kenmare stehen und treffen letzte Entscheidungen darüber, was mit in den Wanderrucksack darf. Dann treffen wir Aidan, der uns zu einem erschwinglichen Preis über eine Stunde in seinem Taxi nach Allihies fährt. Unterwegs genießen wir das malerische Abendlicht, die Küste und sogar die Aussicht auf Skellig Michael, die unbewohnte Felseninsel, die schon als Drehort für Star Wars diente.

Aidan hat einiges von seinen Begegnungen mit Tourist*innen und Wander*innen zu erzählen und gibt die Anekdote zum besten, wie er einer US-Amerikanerin gewöhnliche Kaninchen an einem Steinkreis als Kobolde (Leprechauns) verkauft hat. Er informiert uns auch darüber, dass am nächsten Tag eine Auto-Rallye stattfindet und damit zu rechnen ist, dass just an dem Wochenende, an dem wir in Beara Stille zu finden hoffen, Motorengeheul zu den einsamen Bergpässen hoch klingen wird.

Irische Mythologie, bunte Häuser und ein großartiges B&B in Allihies

Das Wiedersehen mit den bunten Häusern von Allihies ist zauberhaft und wir machen einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. So kommen wir zu dem Ort, an dem einer irischen Legende zu folge die Kinder von Lir, die für 900 Jahre in Schwäne verwandelt waren, wieder das Land betraten und zu Menschen wurden.

Wir übernachten im Sea View B&B und unterhalten uns noch ein wenig mit Mary, der sympathischen Betreiberin. Der Standard des B&Bs überrascht mich. Von den blütenweißen Handtüchern bis zum portionierten Duschgel erinnert alles an ein Hotel.

1. Tag: Von Allihies nach Eyeries

Gesamtlänge: 14 Kilometer

Höhenmeter: 435 Meter

Empfehlungen in Eyeries

Essen: Cindy’s Gems Café

Trinken: Causkey’s Bar

Übernachten: Coulagh Bay B&B

Einkaufsmöglichkeiten: Die Post dient gleichzeitig als Supermarkt und Bank. Hier finden Sie alle nötigen Lebensmittel und kleine Snacks für unterwegs.

Kupferminen, Skellig Michael und ein wolkenfreier Himmel

Am nächsten Morgen erwartet uns ein wolkenfreier Himmel und somit ideales Wanderwetter. Marys Frühstücks-Buffet ist apart angerichtet und im angrenzenden Laden kaufen wir Batterien für das GPS Gerät bevor wir zur ersten Tages-Etappe aufbrechen. Zum Glück sind wir früh dran und noch ist kein Rallye Fahrer auf der Straße.

Die Sonne steht tief am Himmel und scheint grell in die Augen. Auch in Irland kann man nicht ohne Sonnenschutz wandern gehen. Hinterm Dorf schlängelt sich der Weg einen steiler Pass empor und führt uns in die Nähe einer still gelegten Kupfermine. Allihies war einst das Zentrum für die Förderung dieses Metalls in Irland. Reich wurden dadurch allerdings nur wenige und bis heute kursieren Geschichten über Fehlinvestitionen und Ausbeutung.

Als Einstieg ist diese Etappe recht anstrengend und auch an meine neuen Wanderstöcke muss ich mich noch gewöhnen. Doch die Schönheit der Landschaft und der klare Morgen lenken die Aufmerksamkeit auf sich und so finden die Füße bald ganz von alleine ihren Rhythmus.

Der Blick auf den stahlblauen Ozean ist atemberaubend und nach dem Anstieg breitet sich ein großzügiges Tal vor uns aus. Links von uns erhaschen wir immer wieder Blicke auf Skellig Michael. Der Weg verläuft auf halber Höhe an der Flanke des Berges und ist im sanften Abstieg angenehm zu laufen. Schon können wir die wiederum kunterbunten Häuser von Eyeries vor uns liegen sehen und sind erstaunt, dass das so schnell ging.

Wandern am Strand und ein kulinarisches Debakel

Anstatt direkt auf das Dorf zuzuführen, bringt uns der Weg in weiten Schlängel-Linien zur Küste. Vorbei an Steinmauern und saftigen Wiesen hat auch dieser Abschnitt etwas Romantisches. An einem kleinen Fluss kühlen wir unsere Füße und kommen schließlich am Strand an.

Wir finden eine windgeschützte Ecke und beschließen auf unserem Gaskocher eine Mahlzeit zuzubereiten, doch alles geht schief. Wir haben zu wenig Wasser, es kocht nicht, die Nudeln bleiben hart und pampig und zu guter Letzt stellen wir fest, dass wir das Salz zuhause vergessen haben. Es ist absolut ungenießbar.

Veganer Kuchen, Tidy towns und Treffen mit einer Wandergenossin

Schließlich kommen wir in Eyeries an. Es muss eines der schmuckesten Dörfer Irlands sein und gewann nicht umsonst diverse „Tidy towns competitions“ (Wettbewerb der schönsten Dörfer in Irland). Auch besticht es durch eine selten hohe Anzahl an öffentlichen Bänken, auf denen man wunderbar hätte picknicken können. Wir sind allerdings dankbar, dass wir in Cindy’s Gems Café mit einem veganem Burger und Kuchen belohnt werden.

Im Coulagh Bay B&B erwartet uns ein herzliches Willkommen. Hier machen wir auch unsere einzige Bekanntschaft  mit einer anderen Fernwanderin auf dem Beara Way. Die Dame aus Holland ist schon seit einigen Tagen unterwegs und erzählt, dass sie ihre Toureenden wird. Obwohl wir kurz nach ihr aufgebrochen waren, sind wir uns auf dem Weg nicht begegnet. Schön, dass das B&B als Treffpunkt dient, wo wir unsere Erfahrungen teilen können.

Grace berichtet noch, dass es nicht immer ganz so still auf dem Beara Way zu geht. Just zum Familien Festival, dem größten Ereignis im ganzen Jahr, hat sich eine Gruppe von 70 deutschen Wanderinnen angemeldet. Ein kleines Dorf wie Eyeries hat kaum so viel Betten, vor allem nicht an diesem Wochenende. Doch Grace erzählt die abenteuerlichen Damen hätten ihren Ausflug langfristig geplant und würden mit Freuden auf der Wiese eines Bauern zelten.

Eine Bar mit Meerblick und Sonnenuntergang über der Bucht

Wir beschließen, der Causkey’s Bar einen Besuch abzustatten. Der Taxifahrer hatte nicht zu viel versprochen, als er diese aufgrund der beeindruckende Sicht für ein Feierabendbier empfahl. An der Rückseite der Kneipe befindet sich eine Terrasse, die direkt auf die Bucht hinausblickt. Auch bei Regen kann man durch die Panoramafenster die Aussicht auf’s Meer genießen. Es sei denn, es läuft Rugby und die geschlossenen Jalousien sorgen für eine ausgezeichnete Sicht auf den Bildschirm.

Im Wintergarten des B&Bs sehen wir wie die Sonne ein letztes Mal unter den Wolken auftaucht und dann im Meer versinkt und hoffen auf gutes Wetter für den beinahe doppelt so langen Abschnitt am nächsten Tag.

2. Tag: Von Eyeries nach Lauragh

Gesamtlänge: 27 Kilometer

Höhenmeter: 350 Meter

Empfehlungen in Lauragh

Übernachtung: Mountain View B&B

Achtung! In Lauragh gibt es kein Restaurant und keinen Supermarkt. Auf Vorankündigung hin bereitet Sheila im Mountain View B&B eine Mahlzeit zu. Auf dem Weg nach Lauragh kommen Sie durch Ardgroom, wo es einen Supermarkt mit gutem Sortiment gibt.

Migräne, die Geschichte einer Ruine und Pause am See

Ich wache auf und mir ist schwindelig. Ein Teil meines Sichtfelds ist verschwommen. Migräne ist das letzte, das ich mir für eine 27 Kilometer Wanderung gewünscht hätte. Zum Glück hat Grace Kopfschmerztabletten und ein stärkendes Frühstück und wir brechen mit etwas Verzögerung auf. Sonnenbrille und Hut behalte ich aber den ganzen Tag auf.

Der Weg schmiegt sich zunächst an Dünen und Strände, vorbei an einer Station der Küstenwache. Die war zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft von Rebellen niedergebrannt und nachher aufgegeben worden. Laut einer Informationstafel schlichen sich die Rebellen vom Strand, an das Gebäude an und stürmten es.

Seltsam, wie anders sie diesen Ort, der heute so friedlich erscheint, erlebt haben müssen. Wie der Strand, an dem die Wellen im Sonnenschein plätschern, ihnen im Schutze der Nacht zum Angriff diente.

Wir passieren Faunkill and the Wood und laufen nun entlang einer asphaltierten Straße, die immer wieder Ausblicke auf kleine Buchten mit Fischerbooten und grasenden Eseln davor bietet. Wir wechseln von Wanderstiefeln zu Turnschuhen. Zwei Paar Schuhe für unterschiedlichen Untergrund dabei zu haben, ist eine Strategie, die uns schon oft geholfen hat Blasen zu vermeiden.

Der Weg führt dann in ein einsames Tal und wir laufen entlang des kristallklaren Sees Lough Fadda. Dank unserer Yoga Matte können wir auf dem stacheligen Untergrund neben dem Ginster eine Pause einlegen. Wir treffen einen Tageswanderer, der uns vom harschen Leben in Beara zu Zeiten winterlicher Atlantikstürme erzählt. Der Sonnenschein hält sich und er versichert uns, wir würden es heute bis Lauragh schaffen.

Ein goldenes Tal und die höchsten Berge Irlands

Das trockene Gras im Tal weht golden im Wind. Wir erklimmen einen steilen, aber sehr kurzen Anstieg und befinden uns dann auf einem Kamm, parallel zur Küste. Neben uns liegt die Iveragh Peninsula mit ihrem berühmten Ring of Kerry. Die Aussicht auf die gesamte Bergkette der MacGillycuddy Reeks ist ein seltenes Vergnügen. Normalerweise sammeln sich die irischen Wolken mindestens über einigen der höchsten Gipfel Irlands. Doch wir haben Glück.

Auch der moorige Untergrund ist durch den Mangel an Regen ausgetrocknet. Unter anderen Wetterbedingungen würden sich hier Gummistiefel ohne Zweifel lohnen.

Mein Partner zückt regelmäßig sein Handy um mittels Peak Finder App die Namen der Berggipfel zu bestimmen und Carrauntoohil, den höchsten Berg Irlands zu verorten.

Wiedersehen in Ardgroom

Unter uns sehen wir Ardgroom und gelangen dieses Mal auf direktem Weg in das Örtchen. Wir haben mehr als die Hälfte geschafft. Einige Wander*innen beenden ihre Tagesetappe hier und so treffen wir auch die Holländerin wieder. Sie sitzt in der Sonne vor dem gut sortierten Tante Emma Laden und liest. Das Buch, das sie so fasziniert, ist Hungry Hill von Daphne du Maurier, das in Romanform die Geschichte der Kupferminen und ihrer Besitzer erzählt.

Im Laden erstehen wir Energie Riegel, Tee und heißes Wasser und bereiten damit Gemüse Couscous zu. Dieses Mal geht alles gut. Ardgroom ist ebenfalls ein hübscher Ort und, wie es scheint, Ausgangspunkt für verschiedene Tageswanderungen, Rad und Motorrad Touren.

Zwei Steinkreise, Rhododendron Wälder und Ankunft in Lauragh

Auf einem „Boreen“ (kleine, wenig befahrene Landstraße) gelangen wir zu einem weiteren Anstieg in die Berge hinein. Die Steinwände der vor uns liegenden Berge haben eine eigenartige Wellen Struktur. Der Pass stammt angeblich schon aus dem Mittelalter und fühlt sich an, als sei er ganz von der Außenwelt abgeschnitten. Später führt uns der Weg noch direkt zu den zwei prähistorischen Steinkreisen von Cashelkeelty, die schon seit Jahrtausenden über die Gegend wachen.

Nach der weitläufigen Landschaft der Küstenorte laufen wir heute zuletzt auf geheimnisvolle Wälder zu. Lauragh liegt versteckt vom Blätterdach an einem See unter uns. Auf verschlungenen Pfaden durch die Düsternis des Rhododendron kommen wir schließlich an diesem winzigen Ort an. Lauragh ist in der Tat so klein, dass ein spanisches Paar in einem Mietwagen uns nach dem Weg nach Lauragh fragt, ohne zu merken, dass sie bereits durch das Dorf gefahren waren.

Ein B&B unter den Zweigen der Bäume, eine historische Zapfsäule und moosbewachsene Steinmauern, viel mehr gibt es im „Zentrum“ nicht und wir laufen die letzten Kilometer zu unserer Unterkunft, dem Mountain View B&B. Die idyllische Aussicht auf ein Flusstal im Abendlicht ist es allemal wert, zu vorgerückter Stunde noch unterwegs zu sein. Müdigkeit, schwere Füße und schmerzende Schultern sind jetzt egal.

Und obwohl wir noch nie an diesem Ort waren, gibt uns das Wissen, dass tief im stillen Tal ein Bett auf uns wartet, das seltsame Gefühl am Ende eines langen Tages nach Hause zu kommen.

3. Tag: Von Lauragh nach Kenmare

Gesamtlänge: 19 Kilometer

Höhenmeter: 660 Meter

Bester Porridge und motorisierter Vorsprung

Im Mountain View B&B bereitet uns Sheila nicht nur den besten Porridge von Beara zu, ihr gemütliches Wohnzimmer ist auch bestens mit Wanderkarten der Gegend ausgestattet. Auch Norman McCloskeys Fotoband Beara liegt aus und ist es absolut wert durchgeblättert zu werden.

Sheila leistet uns ein wenig Gesellschaft und beginnt auf Nachfrage hin aus dem Nähkästchen zu plaudern. Die Betreiber*innen von B&Bs könnten über ihre Begegnungen mit ihren internationalen Gästen ohne Zweifel ganze Bücher schreiben. Dankenswerterweise bringt uns Sheilas Mann Dermuit gratis nach Drombohilly. Das erspart uns, ungefähr vier Kilometer Landstraße zu wandern und der Vorsprung ist uns am Rückreisetag auch willkommen.

Das Gleninchaquin Tal und der Uragh Steinkreis

Ab Drombohilly klettern wir über eine der unzähligen grünen Leitern auf eine Schafweide und hoch zum ersten Bergpass. Erneut sind wir dankbar in trockenem Wetter zu wandern, auch wenn heute graue Wolken den Himmel bedecken. Die Holzplanken deuten darauf hin, wie moorig der Untergrund hier nach starkem Regen sein kann. Unter uns liegen drei Seen im für seine Schönheit gepriesenen Gleninchaquin Tal. Ein Wasserfall stürzt einen Bergrücken hinab und irgendwo liegt hier der gut erhaltene Uragh Steinkreis.

An einem einsamen Bauernhof vorbei kommen wir zwischen den Seen aus und finden einen Wegweiser zum Steinkreis und eine Spendenbox . Wir beschließen kurzerhand die Rucksäcke zurückzulassen und den Extra Kilometer zu dem Monument zu laufen. Ein wirklich besonderer Ort.

Am Rückweg sehen wir es dann ein, eine Spende da zulassen.

Ginsterblüten, Schafe und die letzten Meter nach Kenmare

Nachdem wir eine Weile am Ufer des Sees entlang laufen, führt der Weg zum zweiten großen Anstieg des Tages. Schäfchen Wolken bedecken den Himmel. Die Aussicht hinunter nach Kenmare und herüber zu den Kerry Mountains (heute aus neuer Perspektive) ist ein weiterer Höhepunkt unserer Wanderung.

Der süßliche Kokos Duft der Ginsterblüten durchzieht den Abstieg. Im Tal angekommen folgen wir lange einer ruhigen, mit Bäumen gesäumten Landstraße. Ein Bauer treibt auf einem Quad sitzend Schafe ein. Seine Söhne im Teenager Alter schauen vom Zaun aus zu. An einer Kreuzung laufen wir einen weiteren Hügel hoch und kommen an einer Wohngegend mit großen Häusern vorbei. Der letzte Abschnitt nach Kenmare verläuft auf einer geschäftigen Landstraße ohne Fahrradweg. Zum Glück ist dieser Teil relativ kurz.

Zurück in Kenmare

Schließlich kommen wir zu der Brücke, die Kenmare mit Beara verbindet. Wir gönnen uns eine Verschnauf Pause und genießen das großzügige Fluss Panorama. Kenmare ist eine quirlige, kleine Stadt, die mit Souvenir Läden und Restaurants zum Bummeln einlädt. Am Feiertag lässt sich hier allerdings kaum veganes Essen auftreiben und so nehmen wir mit Pommes mit Essig vorlieb.

In Kenmare trifft der Beara Way außerdem auf den bekannteren Kerry Way und im Sommer sind drahtige Menschen in grauen Funktionshosen und Wanderstiefeln hier bestimmt keine Seltenheit.

Das Auto hat treu auf uns gewartet. Nur die Batterie ist leer, doch ein hilfsbereiter junger Mann gibt uns Starthilfe und wir treten den Heimweg an. Rasend schnell, wie es scheint, bewegen wir uns durch die Landschaft und sehen im Rückspiegel die Berge verschwinden.

Beara Way
Individuelle Wandertouren ab 429€! Unterkunft und Gepäcktransfer inklusive.
Jetzt entdecken!